Birgit Krause

From the sky of Wu

In ihren Bildern transformiert die Berliner Künstlerin Birgit Krause nicht selten die Objektwelt in abstrakte und kosmologisch assoziierbare Affektbilder. Obwohl sie meist unscheinbare und natürliche Szenen in Ausschnitten erfasst, erweist sich das Gezeigte als aufgeladen mit ästhetischer Bedeutung. Irdische Ingredienzien steigern sich zu neuartigen, oft metaphysisch und mythologisch konnotierten Bildwelten. Einerseits wird dem Betrachter bewusst, wie klein und unbedeutend der Mensch angesichts der Kräfte des Universums und des Lebens ist. Andererseits bieten ihm Krauses Bilder eine Möglichkeit zur Kontemplation und mentalen Durchdringung. [mehr] Stephan Reisner

cups and balls

Inszenierte Bühnen — Zwei Schwarzweiß-Fotografien mit regelmäßig angeordneten Quadraten von Bodenplatten, die einen in ihrer minimalistischen Anordnung an Carl Andre denken lassen. Und gleichzeitig an deutsche Fußgängerzonen, Hinterhöfe, Parkplätze. Die beiden Fotografien sind aus einer leicht unterschiedlichen Position und an verschiedenen Tagen aufgenommen, zeigen dasselbe, einen von Touristen viel frequentierten Platz in Berlin; und zeigen ihn doch nicht. So wird der Nicht-Ort in seiner Kargheit interessant. Automatisch ist man versucht, ihn zu identifizieren und in seinen Mikrostrukturen etwas über den Makrokosmos zu finden. [mehr] Conny Becker

Plánētes

Plánētes — The title of this work by Birgit Krause is derived from the Greek word for “roamers” or “wanderers”. Her picture cycle can also be thought of as a wandering or a walking tour. It lures us into puzzling distant worlds that are dark and disconcerting, and yet at the same time familiar. Where are we? In the future? In the past? Or on another planet? Birgit Krause’s photos were created in the here-and-now. They defamiliarize the everyday and mirror through it our wishful dream of something that lies outside ourselves. Far away, in another time or in a distant universe. Plánētes depict our longing for eternity. The planets are the wanderers within us. Florian Scheibe

Plánētes — der Titel der Arbeit von Birgit Krause leitet sich vom altgriechischen Wort für »Umherschweifende« oder »Wanderer« ab. Eine Wanderung ist auch ihr Bilderzyklus. Er entführt uns in ferne, rätselhafte Welten, düster und befremdlich, aber zugleich seltsam vertraut. Wo befinden wir uns? In der Zukunft? In der Vergangenheit? Oder auf einem anderen Planeten? Birgit Krauses Fotografien sind im Hier und Jetzt entstanden. Sie verfremden Alltägliches und spiegeln gerade dadurch unseren Wunschtraum nach etwas wider, das außerhalb unseres Selbst liegt. Weit weg, in einer anderen Zeit oder einem fernen Universum. Plánētes verbildlichen unsere Sehnsucht nach Unendlichkeit. Sie sind die Wanderer in uns. Florian Scheibe

Birgit Krause took pictures of the sun, the moon, and the stars. The photos also show technical devices, boxes, rocks – apparently a reference to scientific work. One believes to see the documents of an astronomical journey. That’s what it might look like out there: infinite space, cool rocks, colourless landscapes, the glistening and green depth of the oceans. Playing with our imagination and our perception of reality, Birgit Krause questions the reality content of our perceived conceptions, thereby taking us on a trip full of alluring illusions. The appeal of deception might also be what creates the lasting effect of her photographs – phantasms of a dreamlike beauty. Trusting her own vision entirely, the photographer does not stage her pictures, but finds a new, strange land in reality. Ute Mahler

Birgit Krause hat Sonne, Mond und Sterne fotografiert. In ihren Fotografien tauchen ebenso technisches Gerät, Kästen, Felsbrocken auf, ein scheinbarer Verweis auf wissenschaftliche Arbeit. Man meint, die Bilder einer astronomischen Entdeckungsreise zu sehen. So könnte es dort oben auch sein, die unendlichen weiten Räume, das kühle Gestein, die farblosen Landschaften, das Gleissen und die grünen Tiefen in den Meeren. Birgit Krause spielt mit unserer Phantasie, mit unserer Wahrnehmung der Wirklichkeit. Sie stellt mit ihrer Arbeit «Plánētes » den Realitätsgehalt unserer gewonnenen Vorstellung in Frage. Sie nimmt uns mit auf eine Reise voller verführerischer Illusion. Es ist auch der Reiz der Täuschung, die ihre Fotografien so nachhaltig wirken lassen. Trugbilder von traumhafter Schönheit. Die Fotografin inszeniert nicht, sie vertraut voll und ganz ihrem ungewöhnlichen Blick und findet damit in der Wirklichkeit ein neues fremdes Land. Ute Mahler


Blue Monday

Blue Monday — What are memories: blurred images, emotions, conscious or unconscious realities? In her work, Birgit Krause is looking for answers to these questions. Involuntary memories that occur in certain places, situations or unusual atmospheres become the trigger of her photographies. The work title refers to a well known British song from the early eighties that stands for a midnight-blue coloured attitude to life. In 2011, the photographer went on a quest for her youth. The goal was not to once again visit the concrete places of the past, but rather to catch moments in the here and now that were defining for those times. While her motives hold their ground as aesthetically independent entities of the present, they also have an astonishingly recognizable colour of the past. It becomes evident that memories are not necessarily linked to the place of the actual experience in the past. They can arise from the autonomous character of a transfer and thereby assume a visual form. Stephan Reisner

Blue Monday — Was sind Erinnerungen: Verschwommene Bilder, Gefühle, bewusste oder unbewusste Wirklichkeiten? Dieser Frage geht die Berliner Fotografin Birgit Krause in ihren Arbeiten nach. Unwillkürliche Erinnerungen, die sie an bestimmten Motiven, Orten, Situationen und durch ungewöhnliche Atmosphären erfährt, werden zum Auslöser ihrer Fotografien. Birgit Krause bezieht sich in ihren Arbeiten auf einen bekannten britischen Songtitel der frühen 80er Jahre, der für ein nachtblau eingefärbtes Lebensgefühl steht. 2011 machte sich die Fotografin Birgit Krause auf die Suche nach ihrer Jugend. Ziel war es nicht, die konkreten Orte von damals erneut aufzusuchen, sondern im Hier und Jetzt Momente einzufangen, die für diese Zeit prägend waren. Ihre Motive behaupten sich als ästhetisch eigenständige Wesen der Gegenwart, weisen aber zugleich ein erstaunlich wieder erkennbares Zeitkolorit des Vergangenen auf. Es zeigt sich, dass die Erinnerung nicht unbedingt an den konkreten Ort des Erlebens in der Vergangenheit gebunden ist, sondern durchaus aus einem autonomen Wesen der Übertragung hervorgehen und zur visuellen Anschauung gelangen kann.
Stephan Reisner